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Datum: 22.04.2020

Jubiläum in 2020: 20 Jahre hauptamtliche Gleichstellungsarbeit

 

Pressemitteilung (auch als PDF)

Mildstedt – Die Geschichte der kontinuierlichen hauptamtlichen Gleichstellungsarbeit im Amt Nordsee-Treene und davor im Amt Treene beginnt mit dem 1. April 2000, als Ulrike Geffert ihr Amt in Mildstedt antrat. Die Zahnärztin, die später ihren Mädchennamen Boeters wieder annahm, war bis Ende August 2002 die Gleichstellungsbeauftragte (GB) im Amt Treene. Sie verstarb im März 2017. Für ein halbes Jahr war bereits von August 1996 bis ein-schließlich Januar 1997 die Gestalttherapeutin Elke Kirchner als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte eingestellt.

 

Lesung mit Meike Winnemuth im Herbst

 

Die Nachfolgerin von Ulrike Geffert war vom September 2002 bis einschließlich August 2009 die Erzieherin Claudia Hansen. Während ihrer Tätigkeit vollzog sich zum 1. Januar 2008 die Fusionierung der vier Einzelämter Treene, Friedrichstadt, Hattstedt und Nordstrand zum Amt Nordsee-Treene mit dem Hauptsitz in Mildstedt. Auf Claudia Hansen folgte vom September 2009 bis Dezember 2011 Kira Lüdtke, studierte Diplom-Politologin.

 

Seit dem 1. Januar 2012 ist die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Kirsten Schöttler-Martin im Amt der hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten beim Amt Nordsee-Treene, die das 20-jährige Jubiläum eigentlich mit einer ganz besonderen Lesung und ihren Gästen am 29. April im Kirchspielskrug in Mildstedt feiern wollte. Die Lesung mit der bekannten Hamburger Schriftstellerin, Journalistin und Bloggerin Meike Winnemuth aus ihrem neuen Buch „Bin im Garten – Ein Jahr wachsen und wachsen lassen“ fällt nun aufgrund der Coronakrise aus und wird im Herbst nachgeholt.

 

Viele Probleme auch nach 20 Jahren immer noch die selben

 

„Die Geschichte der Gleichstellung ist auch immer eine Geschichte der Frauen, die dieses Amt inne hatten, jede hat ihrer Zeit auch ihren persönlichen Stempel aufgedrückt“, ist Kirsten Schöttler-Martin überzeugt. Aber ein Blick in die Archive zeige auch, dass eine ganze Reihe der Themen fortlaufend über die beiden Jahrzehnte relevant waren und bis heute sind.

 

So haben sich alle mit den Chancen und Problemen der Themen „Frau und Beruf/Teil-zeitarbeit“, „Frau und Familien- und Pflegearbeit“ oder „Frau und Gewalt“ beschäftigt. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen auf Kreis-, Regional- oder Landesebene war früher wie heute wichtig, um ein gutes Netzwerk zu schaffen, denn nach wie vor ist die Gleichstel-lungsbeauftragte vor Ort meist eine Einzelkämpferin. Da die Frauen in unserer Gesellschaft immer noch in vielen dieser Bereiche – sei es bei der Bezahlung im Beruf, bei der gerechten Verteilung der Erziehungsarbeit oder beim  Kampf gegen die männliche Gewalt in Beziehun-

 

 

gen – diskriminiert werden, geht es vorrangig um die Durchsetzung ihrer Rechte. Aber wie es die Bezeichnung „Gleichstellungs“beauftragte schon zum Ausdruck bringt, geht es auch darum, Männer bei erfolgter Zurücksetzung und Ungleichbehandlung zu unterstützen. Ein Aspekt, auf den besonders Männer gern hinweisen. Privilegien, Rechte, aber auch Pflichten in der Gesellschaft sollten im 21. Jahrhundert gleich verteilt sein. Die regelmäßige Sprech-stunde der Gleichstellungsbeauftragten steht natürlich allen Geschlechtern (w,m,d) offen. Denn auch die gelebte Diversität und Geschlechtervielfalt ist ein Thema der Gleichstellungs-arbeit, denn eine offene Herabwürdigung von schwulen, lesbischen, bi-sexuellen, trans-gen-der oder intersexuellen Menschen ist leider immer noch Realität in Deutschland..

 

Bereits im Jahr 1994 wurde in Schleswig-Holstein das Gleichstellungsgesetz (GstG) des Landes verabschiedet, in dem die Aufgaben und Befugnisse der Gleichstellungsbeauf-tragten definiert sind. Seine Grundlage ist der Art. 3, Abs. 2 des Grundgesetzes, in dem es heißt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

 

Vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit

 

In der Hauptsatzung des Amtes sind die konkreten Aufgaben im §6 festgelegt, wie zum Beispiel die Einbringung frauenspezifischer Belange in die Arbeit des Amtsausschusses und der 27 Gemeindevertretungen, die interne Prüfung von Verwaltungsgrundlagen und ihre Auswirkungen auf Frauen oder die Teilnahme an sämtlichen Personalauswahlverfahren.

 

Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Institutionen, Betrieben und Behörden (Stichwort Vernetzung!) oder das Anbieten von Sprechstunden und Beratung für die Kolleg*innen oder Bürger*innen ist hier zu finden. „Dieses breite Spektrum an Aufgaben macht die Tätigkeit der Gleichstellungsbeauftragten verantwortungsvoll, aber auch so inter-essant und befriedigend“, weiß Kirsten Schöttler-Martin aus Erfahrung.

 

Und auch eine sehr vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit der Dienststellen-leitung ist im Amt gegeben, freuen sich die GB und Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl und LVB Frank Feddersen und Stellvertreter. „Die Gleichstellungsbeauftragte ist mit ihrer vielfäl-tigen Beratungstätigkeit ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil sowohl für die Kolleg*-innen im Hause, als auch für die Bürger*innen in unserem Amtsgebiet – ebenso ihr umfang-reiches Netzwerk zu vielen psychosozialen Institutionen im Kreisgebiet“, so Eva-Maria Kühl.

 
Zu Beginn gab es ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte

 

„Doch auf der landes- und bundespolitischen Bühne bläst der Gegenwind uns GB immer noch ins Gesicht, aufgrund der aktuellen Entwicklungen sogar wieder mehr!“, hat Kirsten Schöttler-Martin auch schon erfahren. Standfestigkeit ist gefragt, genau wie Empathie, Sachkompetenz und Engagement. Das galt sicherlich ebenso für die ehrenamtlichen Gleich-stellungsbeauftragten, die vor der Fusion 2008 in den Einzelämtern tätig waren.

 

Im alten Amt Treene gab es vor der ersten hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten 1996/97 keine ehrenamtlich Tätige, da die Grenze schon über 10 000 Einwohner*innen lag (von dieser Grenze an mussten laut Gesetz hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte  eingestellt werden, was leider nicht überall und sofort umgesetzt wurde). Im Amt Friedrichstadt war Elke Paulsen von Januar 1995 bis Dezember 2007 die ehrenamtliche Gleich-stellungsbeauftragte, im Amt Hattstedt waren es Sabine Witte und Annemarie Schröder. Auf Nordstrand war Regina Reuss von Januar 1996 bis Dezember 2007 ehrenamtlich tätig.


 

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